Lexikon der Naturheilkunde - Neues aus der Forschung

Lebensmittelunverträglichkeit - Ein unterschätztes Leiden

Manchen Menschen reagieren nach dem Genuss von Nüssen mit Atembeschwerden, andere wiederum bekommen Probleme mit dem Magen und der Verdauung, wenn sie Milchprodukte gegessen haben. Diese Menschen leiden unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (NMU). Zum Beispiel sind fast 50 Prozent der Weltbevölkerung von einer Laktoseintoleranz betroffen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Varianten der Nahrungsmittelunverträglichkeit. Zum einen kann es sich um eine Nahrungsmittelallergie handeln, zum anderen um eine Nahrungsmittelintoleranz. Jedoch sind NMUs sehr vielseitig und können bei jedem Menschen individuell ausgeprägt sein. Für eine Behandlung ist daher entscheidend, die Ursache der Erkrankung genau festzustellen. Die Symptome der Nahrungsmittelintoleranz können mit denen einer Nahrungsmittelallergie verwechselt werden. Es ist wichtig einen Arzt hinzu zu ziehen, um die Ursachen einer Reaktion auf Nahrungsmittel zu ermitteln.

Wenn man von einer Nahrungsmittelallergie redet, reagiert das Immunsys-tem auf körperfremde Eiweiße, indem es Antikörper gegen sie bildet. Geringste Mengen des allergieauslösenden Stoffes (Allergen) können schon die Allergiesymptome auslösen. Von einer Nahrungsmittelintoleranz spricht man, wenn der der Körper unfähig ist, ein bestimmtes Nahrungsmittel oder einen Bestandteil zu verdauen. Die Intoleranz muss nicht vollständig sein, sodass geringe Mengen des Nahrungsmittels weiter verzehrt werden können. Erst Mengen, die über der Toleranzschwelle liegen, lösen Symptome aus. Vergleichbar ist diese Reaktion in etwa, wenn wir Papier oder Gras essen würden. Völlegefühl, Blähungen und Durchfall wären die Folge.

Histaminintoleranz (HIT)

Von einer HIT sind ungefähr ein Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen. Jedoch gehen Experten davon aus, dass die Zahl höher liegt, da diese Intoleranz nicht immer erkannt wird. Wenn jemand unter einer HIT leidet, kann er das Eiweiß Histamin nicht abbauen, das sowohl vom Körper gebildet wird, aber auch durch die Nahrung zugeführt wird. Beispielsweise finden sich in verdorbenen Lebensmitteln größere Mengen an Histamin, aber auch lang gereifter Käse, Essig, Sauerkraut, Spinat, Nüsse, Fisch, Tomaten etc. enthalten das Eiweiß.

Zum Schutz des Körpers wird Histamin durch das Verdauungsenzym Diaminooxidase (DAO) abgebaut. Die Diaminoxidase verhindert, dass exogenes Histamin ins Blut gelangt. Eine HIT wird also in erster Linie durch einen Mangel an dem Enzym Diaminoxidase verursacht und äußert sich unter anderem durch Kopfschmerzen, laufende Nase, leichtes Asthma, Schwindelgefühl oder niedrigem Blutdruck.

Laktoseunverträglichkeit

Menschen mit einer Laktoseunverträglichkeit können den Milchzucker in Milchprodukten nicht verdauen, weil ihnen das Enzym Laktase fehlt. Unter diesem Gendefekt leiden etwa 15 bis 20 Prozent der Deutschen. Sie klagen über Verdauungsstörungen, Durchfall, Übelkeit und Bauchschmerzen. Auch Symptome wie Schwindel, Schlafstörungen und Depressionen können durch eine Laktoseintoleranz hervorgerufen werden.

Normalerweise ist die Laktaseaktivität nach der Geburt am höchsten, da das Grundnahrungsmittel von Babys Milch ist. Diese Enzymaktivität sinkt bei Europäern im Erwachsenenalter auf etwa zehn Prozent ab. So treten die Beschwerden, die mit einer Unverträglichkeit einhergehen, meist erst im Erwachsenenalter auf. Oft fangen die Probleme unvermittelt an und nicht immer nach dem Genuss von Milchprodukten. Der Grund: Heutzutage enthalten fast alle Fertigprodukte, wie Tiefkühlpizza, Fleisch und Wurst, Brötchen und Brot, Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente, Milchzucker. Deshalb ist davon auszugehen, dass jeder ohne es zu wissen täglich etwa 25 bis 50 Gramm Laktose zu sich nimmt.

nach oben