Lexikon der Naturheilkunde - Neues aus der Forschung

Eine Langzeit-Gabe von Folsäure verbessert die kognitive Funktion bei älteren Menschen und verlangsamt den alterungsbedingten Verlust des Gehörs

Unter Verwendung eines randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studiedesigns wurde in einem wichtigen Grossversuch in den Niederlanden bei 818 Teilnehmern zwischen 50 und 70 Jahren mit erhöhten Homocysteinspiegeln im Blut und normalen Serum-Vitamin B12-Werten nach einer Langzeit-Gabe von Folsäure verbesserte kognitive Funktionen festgestellt.

Die Teilnehmer erhielten randomisiert über drei Jahre lang entweder 800 µg Folsäure pro Tag oder ein Placebo.

Verglichen mit der Placebogruppe waren die Veränderungen bei der Gedächtnisleistung, bei der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und der sensomotorischen Geschwindigkeit nach drei Jahren deutlich besser in der Folsäure-Gruppe.

Zusätzlich sanken die Gesamthomocysteinwerte im Plasma um 26% in der Verumgruppe.

Die Autoren schlossen daraus: «Die Folsäure-Gabe verbessert die Leistung bei Tests, welche die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und die Gedächtnisleistung beurteilt. Diese beiden Bereiche sind bekannt für ihr Nachlassen im Alter».

In einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie mit 712 älteren Männern und Frauen mit erhöhten Homocysteinund normalen Vitamin B12–Blutspiegeln und ohne Mittelohrproblemen oder Verlust des Gehörs verlangsamte die Gabe von Folsäure den altersabhängigen Gehörverlust. Die Teilnehmer erhielten randomisiert über drei Jahre entweder 800 µg Folsäure oder ein Placebo pro Tag.

Zum Ende der Studie hatte sich die Hörschwelle der niedrigen Frequenzen um ein Dezibel bei der Folsäuregruppe erhöht und um 1,7 Dezibel bei der Placebogruppe. Es wurden keine signifikanten Unterschiede der Hörschwelle der hohen Frequenzen bei den beiden Gruppen gefunden.

Die Autoren schlossen daraus: «Eine Folsäure-Gabe verlangsamt den Abbau des Gehörs in dem Bereich der Sprachfrequenzen, welcher mit dem Altern der Bevölkerung in einem Land ohne Folsäureanreicherung der Nahrung verknüpft ist. Der Effekt sollte vor allem in Bevölkerungsgruppen überprüft werden, welche in Ländern mit einem Folsäureanreicherungsprogramm leben.»

In einer prospektiven U.S.-Studie mit 965 Personen im Alter von 65 Jahren oder älter und ohne ein Zeichen von Demenz zu Studienbeginn weisen die Resultate darauf hin, dass eine erhöhte Folataufnahme (sowohl über die Nahrung, als auch über Supplemente) das Risiko einer Alzheimer Erkrankung (AD) senken kann. Die Gesamtaufnahme über die Nahrung und über Supplemente von Folat, Vitamin B6 und B12 wurden durch einen Nahrungsfrequenz-Fragebogen ermittelt. Während 6,1 Jahren der medizinischen Begleitung und nach Angleichen von Störvariablen, zeigten Personen im obersten Viertel der Gesamtfolataufnahme ein um 50% geringeres Risiko an AD zu erkranken, verglichen mit den Personen im untersten Viertel. Es konnte kein Zusammenhang zwischen dem Risiko einer AD und Vitamin B6- und B12Spiegeln gefunden werden. Die Autoren schlossen daraus: «Eine erhöhte Folataufnahme kann unabhängig von anderen Risikofaktoren und den Blutwerten an Vitaminen B6 und B12 das Risiko, an AD zu erkranken, senken.»

Durga J et al. Effect of 3-year folic acid supplementation on cognitive function in older adults in the FACIT trial: a randomized, double blind, controlled trial. The Lancet, 2007;369:208-216.Effects of folic acid supplementation on hearing in older adults: a randomized, controlled trial.Ann Intern Med., 2007; 146(1): 1-9.

Luchsinger JA et al. Relation of higher folate intake to lower risk of Alzheimer disease in the elderly. Arch Neurol, 2007; 64(1): 86-92.

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