
„Anwendungsbeobachtungen“ verursachen in Deutschland Kosten in Höhe von 930 Millionen Euro jährlich, die überwiegend von den Gesetzlichen Krankenkassen zu bezahlen sind. Nach Ansicht vieler Wissenschaftler, aber auch Kassenärztlicher Vereinigungen sind sie überwiegend Marketing-Instrumente zur Erhöhung der Umsätze bestimmter (meist hochpreisiger) Medikamente, aber keine Studien mit wissenschaftlicher Aussagekraft. Diese Einstufung wurde jetzt durch eine neue Studie untermauert.
Die Wissenschaftler hatten alle 118 Erstmeldungen über Anwendungsbeobachtungen (AWB), die bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im zweiten Halbjahr 2005 eingegangen waren, näher unter die Lupe genommen und ihre wissenschaftliche Qualität nach einem detaillierten Erhebungsbogen bewertet. Bei der Auswertung dieser Bögen zeigten sich dann erhebliche Mängel:
In einer Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse, deren wissenschaftliches Institut WINEG die Studie durchführte, wird auch deren Problematik für die Kosten im Gesundheitssystem hervorgehoben:
„Die neuen Medikamente, die in den Anwendungsbeobachtungen verordnet werden, sind im Durchschnitt fast zehnmal so teuer wie die Arzneien, die die Patienten zuvor zum Beispiel gegen ihren hohen Blutdruck oder ihr Asthma erhalten haben. Während eine durchschnittliche Verordnung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bei rund 40 Euro liegt, stehen auf den Rezepten bei den Anwendungsbeobachtungen jeweils Medikamente für rund 370 Euro.“
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