
Jedes Jahr leiden über eine Millionen älterer Menschen in Europa unter dem Verlust ihrer geistigen Flexibilität und 50-80% von ihnen mit einer leichten mentalen Beeinträchtigung entwickeln eine Demenz, hauptsächlich vom Alzheimertyp.
Bis vor kurzem wurde vermutet, dass der geistige Abbau im Alter unvermeidlich ist und man nichts dagegen tun kann. Doch es gibt Anhaltspunkte, dass Mikronährstoffe das Gehirn vor altersbedingten degenerativen Veränderungen schützen können. So konnte zum Beispiel eine geringe Einnahme und eine tiefe Konzentration im Blut an Vitamin C und E mit einer Einbusse der geistigen Fitness assoziiert werden.
Mehrere kürzlich veröffentlichte Studien zeigen die Bedeutung der B-Vitamine für die geistige Gesundheit und die Prävention vor einer Alzheimererkrankung während des Alterns. Es mehren sich die Anzeichen, dass sogar moderat erhöhte Blutspiegel an Homocystein (eine toxische, nichtessentielle Aminosäure, Metabolit verschiedener Wege des Zellstoffwechsels) zu einer Atrophie des Gehirns und somit zum geistigem Verfall und zur Demenz beitragen können. Ein hoher Homocystein-Spiegel im Blut kann ein Marker für eine tiefe Konzentration an Folat und Vitamin B12 sein. Diese beiden Vitamine katalysieren den Abbau und die Ausscheidung des Homocysteins. In einer kürzlich veröffentlichen «cross-sectional» Studie wurde die Vitamin B-Aufnahme aus der Nahrung und der Homocystein-Spiegel im Blut mit der geistigen Fitness von 150 gesunden älteren Personen in Verbindung gebracht. Personen mit hohem Homocystein-Spiegel erzielten ein schlechteres Ergebnis einschließlich in den Punkten «Intelligenz» und «Gedächtnis». Hohe Folat- und Vitamin B12-Spiegel waren mit guten Ergebnissen beim geistigen Funktionstest assoziiert.
Quelle:American Journal of Clinical Nutrition 2002; 75: 908 - 913)
Vier große prospektive Studien zeigten deutlich, dass erhöhte Homocystein- und/oder niedrige Vitamin B-Konzentrationen im Blut mit geistigem Verfall und/oder einer Alzheimererkrankung oder Demenz verbunden sind. In der neusten veröffentlichten Studie wurde der Gesamt-Homocystein-Spiegel im Plasma bis zu 11 Jahre vor dem Beginn der Alzheimererkrankung gemessen. Versuchspersonen mit einem hohen Homocystein-Spiegel in den oberen 25% der Skala hatten ein doppelt so hohes Risiko, später an Alzheimer zu erkranken, als Versuchspersonen in den unteren 25%.
Quelle: New England Journal of Medicine 2002; 346: 476 - 483)
Für den endgültigen Beweis, welche Rolle Homocystein und die B-Vitamine beim altersabhängigen geistigen Verfall spielen, wird ein klinischer Versuch benötigt, welcher zeigt, dass die Senkung des Homocystein-Spiegels durch die Gabe von B-Vitaminen eine Erkrankung an Alzheimer vorbeugt. Die «Alzheimer Disease Cooperative Study» plant eine multizentrische Studie in den USA, um zu überprüfen, ob die Gabe von B-Vitaminen die Entwicklung der Krankheit bei Alzheimerpatienten verlangsamt.
Wenn eine erhöhte Gabe an B•Vitaminen nur 10% der leicht mental beeinträchtigten Patienten vor der Entwicklung einer Alzheimererkrankung bewahren kann, würden davon mehrere hunderttausend Personen in Europa pro Jahr profitieren.
Quelle:American Journal of Clinical Nutrition 2002; 75: 785 - 786)
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